von Thomas A. Spörer

Black Holes and Relevations...
Im Berichtszeitraum legte der KID anfangs zwar noch etwas zu und erreichte kurzzeitig sogar wieder knapp die Hälfte des vorher abwärts zurückgelegten Weges, mit dem aktuellen Datenkranz hat sich dies inzwischen wieder komplett erledigt. Das unterstützende Linienkreuz hatte die erste Bewegung zwar abgefangen, momentan schleicht der Indikator noch darauf entlang, droht aber erneut ganz langsam nach unten wegzubröckeln. Entsprechend ist das im letzten Monat hier mit großem Fragezeichen versehene "trügerische" Positivsignal auch längst wieder "Schnee von gestern".
Die Fragestellung "Wird der Aufschwung halten oder droht 2007 eine Rezession?" bleibt damit bis heute weiter unbeantwortet - jedenfalls in der realen Wirtschaft. In den Medien hingegen scheint schon jetzt alles klar, und mitten im November noch prall sonnig dazu. Schlagzeilen wie
nehmen zuversichtlich staatstragend schon vorweg, was nach Sachlage noch keineswegs gesichert ist.
Im Gegenteil, der "harte" KID aus realwirtschaftlichen Daten ohne Stimmungskomponente sieht momentan sogar noch etwas schwächer aus als der KID selbst. Der ZEW-Index ist eben (zum zweitenmal wieder "unerwartet") noch etwas weiter gefallen. Zwar sank dabei zuletzt die Sinkgeschwindigkeit, trotzdem bleibt abwärts immernoch abwärts, und scheint die Schlußfolgerung reichlich verfrüht, (Zitat ZEW) "daß sich die deutsche Wirtschaft ab Mai des kommenden Jahres von dem Einbruch erholen wird" bzw. (Pressezitat) "bald wieder eine beschleunigte Aufwärtsbewegung" bevorsteht, derzeit weder logisch noch sachlich begründbar.
Abgesehen von relativer innerer Widersprüchlichkeit gehen alle diese Aussagen von einem kräftigen "natürlichen" Aufschwung 2006 in Deutschland aus, der lediglich kurz zum Jahreswechsel von einer politisch verursachten "Delle" heimgesucht werden wird, um anschliessend seine robuste Dynamik fortzuschreiben. Der "Einbruch" scheint damit bereits kompensiert und überwunden ad acta gelegt, lange bevor er überhaupt eingetreten ist geschweige denn auch nur ansatzweise klar wäre, wie stark er ausfallen könnte.
Ohne Zweifel sehen wir mit dem Jahr 2006 eine gewisse hoffnungsvolle
Belebung - faktisch nachzufragen wäre jedoch deren innere Werthaltigkeit
und längerfristig sichere Stabilität:
Statt des angenommenen "linearen Aufschwungs mit kleiner erwartungsgemäßer Zwischendelle" steht die deutsche Konjunktur also in Wirklichkeit momentan am Schnittpunkt zwischen einem "positiven Buckel" 2006 zu einem "negativen Einbruch/Delle" 2007 - wie stark diese Konvex-zu-Konkav-Differenz real ausfallen wird, weiß heute noch niemand. Jedoch ist sie so oder so in jedem Fall mindestens doppelt so hoch wie in den optimistischen Szenarien linear vorweggenommen. Genau an diesem Punkt wird sich wahrscheinlich auch die hier schon mehrfach angeführte brisante Rekorddifferenz in den Stimmungsbarometern zwischen sehr positiver aktueller Lage-Einschätzung und stark negativen Zukunfts-Erwartungen auflösen.
Im Zeitlauf ist die Lage von heute schon morgen Vergangenheit, dafür entsteht aus der Zukunftserwartung das aktuelle Klima. Genau an diesem Punkt scheint aber offen, ob und wie die positive Stimmung tatsächlich die steuerpolitischen "Notwendigkeiten" zum Jahreswechsel verkraften wird und ob das "Hoffnungsjahr 2006" nach Sylvester doch nur ein Strohfeuer mit nachfolgendem Kater war. Sinngemäß aktuell Peer Steinbrück zitiert: "Wir geben immernoch viel zu viel Geld mit viel zu wenig spürbarer Wirkung aus." Die Gegenfrage "Warum das denn?" bleibt ebenso unbefriedigend offen wie das bisher vergebliche Warten auf den "Großen Reformwurf" der Berliner Koalition. Sicher ist daher bis jetzt nur die "Große Steuererhöhung" mit (etwa möglicherweise?) direkt dazugehöriger "negativer Zukunfts-Erwartung".
Hilfreich ist stets der hoffnungsvolle Blick von hinten aus dem Bremserhäuschen mit der roten Laterne nach vorn zur Konjunkturlokomotive. Der US-Einkaufsmanager-Index erreichte zuletzt abwärts 51.2 und steht damit nach Halloween jetzt nur noch knapp oberhalb der 50-Punkte Schwelle, an der sich die Wachstums- von den rezessiven Geistern scheiden. Tröstlich allein, daß die Einkaufsmanager-Indices für Deutschland und Euroland erfahrungsgemäß dem US-Trend erst mit einiger Verzögerung in der Richtung folgen. Und auch diesmal ist wohl kaum damit zu rechnen, daß sich der notorische "Reformwagen" hinten plötzlich abkoppelt und "auf Wachstumskurs 2007" demnächst noch die Lok überholt. Der Merrill Lynch Indikator "Risk of Recession" steht momentan bei 51% US-Rezessionswahrscheinlichkeit für die nächsten 12 Monate, (Zitat) "the highest level since the 2001 recession".
Der KID-Oszillator zeigt momentan zwar fürs erste Halbjahr 2007
ein Hoffnungshäkchen an - wohlgemerkt aber unmißverständlich
erst für NACH dem bevorstehenden Einbruch bzw. "der Delle" und
zeitlich ganz direkt nach den soeben veröffentlichten letzten
netten Zahlen zum dritten Quartal. Sowohl die US- wie die deutsche
Konjunktur kippeln momentan eindeutig bedenklich "auf dem Punkt".
2006 war in Deutschland ohne Zweifel auch ein Jahr der Chancen, des
breiten Stimmungsaufschwungs und damit eines möglichen Neuanfangs:
Alea iacta est - pro Erhöhung der Verbrauchssteuern (ergo: "Alles
wird teurer") statt Erhöhung des Spar- und Reformtempos ("Alles
wird besser") ...
