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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im Oktober 2006?

von Thomas A. Spörer

kid chart


Trügerische Hoffnung, oder ...?

Vor einem Monat standen wir an dieser Stelle mit dem KID "genau auf dem Punkt" - inzwischen sind wir schon einen entscheidenden Schritt weiter:

Nach einem zwischenzeitlich im Datenfluß erfolgten weiteren Durchbruchversuch nach unten hat mit dem aktuellen Datenstand das wichtige Linienkreuz und damit auch der gesamte konjunkturelle Aufwärtstrend zunächst einmal gehalten. Mehr noch: erfreulicherweise liefert der momentane Datenkranz sogar ein winziges Aufwärtshäkchen, sogar zusammen mit einem allerdings denkbar knapp ausgefallenen kurzfristigen Positivsignal.

Also doch Hoffnung auf nur eine mehr oder weniger kräftig ausfallende Korrektur im stabilen Aufwärtstrend mit danach nahtlos weiterer Fortsetzung des konjunkturellen Aufschwungs und der dazu stetig positiv erwarteten und mental schon fleissig fortgeschriebenen Unternehmensgewinne ?

Die Charts zeigen dazu gleich mehrere Fragezeichen und in der Tat besteht zwar nach mehrfachem erfolgreichen Testen der Unterstützung momentan diese gewisse Hoffnung auf zunächst einmal noch etwas weitere Trendfortsetzung. Trotzdem sollte vor lauter Freude darüber nicht der sichtbar angekündigte vorrangige Absturz übersehen werden, der durchaus kräftiger Natur ausfallen könnte. Gemeinerweise zeigt auch der KID-Oszillator (Bild unten) vor seinem Absturz Richtung Jahreswechsel nochmal eine kleine nachrangige Fortsetzung des zuendegehenden Aufwärtstrends (roter Pfeil). Die vorsichtig angedeutete Hoffnung könnte also trügerisch sein, ebenso wie der an den Märkten zur Zeit favorisierte friedlich sonnige Indian Summer vor den US-Midterm-Elections.

Das Fazit "noch nichts genaues weiß man nicht" ist zwar insgesamt wenig befriedigend, bleibt aber momentan das geeignetste Mittel der Wahl angesichts der undurchsichtigen Gemengelage mit einerseits anteiliger Scheinkonjunkturbelebung durch vorgezogene Käufe wegen der Mehrwertsteuererhöhung, andererseits prozentualer Aufwertung des laufenden Jahres durch Abwärtsrevision der Vorjahreskonjunktur, sowie weiterhin von den USA ausgehend kurzfristig erwünscht positiver Stimmung vor den Wahlen und der hier schon erwähnten, immernoch ungelösten Differenz zwischen aktueller Lage-Einschätzung und den Zukunftserwartungen im Sentiment.

Kommenden Monat werden erstmal die Zahlen zum deutschen BIP des dritten Quartals veröffentlicht (voraussichtlich 14.11.), vielleicht sieht man im Novembernebel dann schon wieder etwas klarer. Der zitierte "mögliche Bruch des gesamten Aufwärtstrends seit 2001" ist immernoch möglich, wenn auch im Moment unwahrscheinlicher als noch vor einem Monat.

Immerhin ist auch der ZEW-Index in diesem Monat im Minus-Terrain (unerwartet) noch ein weiteres Stück tiefer gefallen - und da nutzt es auch nichts wenn man, wie es momentan durch die Medienlandschaft geistert, aus einem schwachen ZEW "auf etwas längere Sicht" ein mögliches positives Einstiegssignal für Aktien hineinzuinterpretieren versucht. Mit der gleichen sinnlosen Logik könnte man auch jede Baisse direkt gleich zum positiven Signal für die Aktienmärkte erklären, da ja an deren Ende mit schöner Regelmässigkeit wieder ein neuer Aufwärtszyklus beginnt.

Der ZEW-Indes ist und bleibt ein eindeutiges Warnzeichen für die Konjunktur, und ist und bleibt wegen des unstrittigen Zusammenhangs zwischen Konjunktur, Unternehmensgewinnen und Aktienkursen auch weiterhin einer von mehreren wichtigen Indikatoren für die Aktienmärkte - sofern man erstens ein variabel mögliches Zeitfenster einkalkuliert, zweitens, da DAX & Co keine 1:1 ZEW-Trendfolger sind, berücksichtigt daß eine konjunkturelle Abkühlung nicht jedesmal gleich Crash sondern ggf. auch nur eine nachfolgende Seitwärtsphase bedeuten kann. Übrigens, vor wenigen Tagen stand der DAX wieder genau da wo er vor fünf Monaten auch schonmal angekommen war - ergo ein Quasi-Nullwachstum über fünf lange Monate im theoretischen Buy-and-Hold-Depot, wie (u.a.) vom ZEW frühzeitig angekündigt.

Ganz eindeutig jahreszeitlich trendfolgend kam dagegen vergangene Woche das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute auf den Tisch, für das vierte Quartal offenbar noch optimistisch gestimmt mit insgesamt +2.3 % für 2006, danach aber verursacht durch segensreiches Wirken der Politik nur noch mit erwarteten +1.4 % Wachstum in der aufgerundeten Konsensprognose für 2007. Entsprechend verstimmt die Reaktion der politischen Kreise, natürlich nur ganz allgemein wegen der Prognosequalität, aber gleichwohl verbunden mit dem durchaus bemerkenswerten Bekenntnis, wirtschaftliche Prognosen und damit verbundene mögliche fachliche Ratschläge sonst üblicherweise erst garnicht zu lesen. Auch egal, hauptsache es geht weiter bergauf.

Entsprechend dem obigen Fazit gestaltet sich auch die Marktprognose zur Zeit eher schwierig. Technisch sind die Trends eindeutig noch intakt, zeigen aber jetzt bereits erste Ermüdungserscheinungen. Also auf jeden Fall ratsam die letzten sonnigen Tage des aktuellen Indianersommers intensiv zu geniessen - der nächste Winter kommt bestimmt.


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