von Thomas A. Spörer

Konjunktur auf den Punkt gebracht
Auf den ersten Blick eine leichte Übung, den heutigen KID zu kommentieren - ist er doch, siehe Bild, im Grunde selbsterklärend: Die deutsche Konjunktur steht auch im September nach einem klaren Abwärtssignal nach wie vor "auf dem Punkt".
Auf den zweiten Blick jedoch aktuell ganz leicht unterhalb des entscheidenden Linienkreuzes, im Monatsverlauf lag er zudem die meiste Zeit bereits ein gutes Stück tiefer darunter, und das letzte momentan kaum erkennbare Monats-Häkchen ist ebenfalls weiter abwärtsgerichtet, wenn auch mit dem aktuell vorhandenen Datenkranz jetzt etwas weniger steil als noch vor Kurzem.
Damit behält die Aussage hier vom August weiterhin Gültigkeit: "... stehen wir jetzt vor bzw. schon direkt am möglichen Bruch des gesamten Aufwärtstrends seit 2001."
Die kommende "Konjunktur-Korrektur" ist damit so gut wie sicher, sehr wahrscheinlich sogar in Form einer scharfen Korrektur bereits in diesem Jahr. "Möglicher Bruch des gesamten Aufwärtstrends" würde aber weit mehr bedeuten, wieder zurück zur Null vor dem Komma, ggf. sogar "überraschendes" Abgleiten in eine Rezession. In den Medien ist davon aber bislang relativ wenig zu spüren, konjunktureller Frohsinn beherrscht das Bild.
Zitat: "Ein Jahr nach der Bundestagswahl sind SPD und Union in einer paradoxen Lage. Die deutsche Wirtschaft brummt wie lange nicht. Wachstum! Neue Jobs! Überschüsse bei Steuern und Sozialkassen! Doch kaum jemand scheint das ökonomische Wunder mit der Berliner Koalition zu verbinden."
Das "ökonomische Wunder 2006 der Berliner Koalition", wie bereits erwähnt optisch aktuell zum Teil nur einer kräftigen Abwärtskorrektur im Wachstums-Vergleichszeitraum beim deutschen BIP von 2005 zu verdanken und zu einem weiteren Teil aus vorgezogenem Konsum resultierend, spiegelt sich nicht an den Märkten wieder, die Begeisterung der Bürger hält sich angesichts der politischen Zukunftsperspektiven ebenso schwer in Grenzen.
Trotzdem herrscht relativer medialer Konsens, der "laufende robuste Aufschwung" werde auch 2007 mit kleinen Abstrichen sicher weitertragen, also sowohl die Berliner Politik als auch deren kontraproduktive Steuer- und Abgabenerhöhungen zum Jahreswechsel aushalten sowie eine sich immer klarer abzeichnende mögliche Abschwächung der Weltkonjunktur verkraften. In der Tat ein echtes ökonomischen Wunder in Spe, dessen Realexistenz im wirklichen Leben allerdings erst noch zu beweisen wäre.
Jenseits prozyklisch vorwärtsgeträumter Goldilocks-Economy und im Detail betrachtet, zeigt der letzte neuerlich sehr heftige Absturz des ZEW-Indikators (vorgestern noch gefolgt vom amerikanischen Philly-Fed) nichts Gutes für den KID und die deutsche Konjunktur an, und auch in den noch heilen Welten anderer Zeitreihen zeigen sich krasse Widersprüche.
Beim ifo-Index schoß die Lagebeurteilung weit über die bereits längst abwärtgedrehten Zukunftserwartungen hinaus, was ebenso selten wie wenn dann meist vor einem bevorstehenden Abschwung auftritt. Beim US-Consumer-Sentiment der Uni Michigan ergab sich zuletzt ebenfalls eine Riesendifferenz zwischen Lage und Erwartung - allerding jenseits des Atlantiks mit genau umgekehrtem Vorzeichen: der US-Konsument ist mit der aktuellen Lage unzufrieden und hofft innigst auf eine bessere Zukunft.
Wie sich dieser doppelte Widerspruch beim Sentiment in sich und auf den Märkten letztendlich auflösen wird, scheint derzeit ungewiß. Die Märkte beginnen bereits jetzt einen kommenden Abschwung zu spielen, doch auch hier war der Sentimentverlauf eher atypisch. Die Aufwärtsbewegung in den Aktien seit Juni verlief zögerlich, mit zumeist relativ geringen Umsätzen und von nur wenigen Titel wirklich getragen, also wahrlich kein Überoptimismus. Viele Marktteilnehmer mitsamt Kapital verharren offensichtlich abwartend an der Seitenlinie - oder schneiden längst fleissig Coupons im Rentenmarkt.
Die sentimentale Zyklik präsentierte sich in diesem Jahr vielmehr
etwas aus dem Tritt. In der ersten Jahreshälfte bis zur Fußball-WM
klar zu hoher Optimismus, danach eine etwas späte dafür aber
auch gleich deutlich zu kräftig ausgefallene Ernüchterung,
momentan nun die allgemeine Verunsicherung, trotz oder grade wegen
stark fallender Rohstoff- und Energiepreise. Nicht auszuschliessen,
daß im weiteren Jahresverlauf dann noch die an sich dann positive
saisonale Zyklik für Aktien mit zunächst noch etwas nachlaufenden
guten, später aber wegbrechenden Konjunkturdaten vehement zusammenrasseln
wird.
Der KID-Oszillator (Bild unten) zeigt aktuell erst wieder für
das Frühjahr 2007 ein momentan winzigkleines "Hoffnungshäkchen" -
ob dies lange Bestand haben wird, muß sich erst noch herausstellen.
Optisch tragfähig ist es bis dato noch in keinster Weise - allenfalls
als Zeichen einer möglichen saisonal leichten Frühjahrsbelebung
zu werten. Beim "harten" KID ist der Aufwärtstrend inzwischen
moderat aber zielstrebig nach unten durchbrochen.
