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KID Konjunktur-Indikator-Deutschland

Quo vadis, Konjunktur und Märkte im März 2005?

von Thomas A. Spörer

kid chart

 

Heißkalte Wechselduschen ...

regen zwar den menschlichen, nicht aber den Wirtschaftskreislauf an.
Aus der kurz aufleuchtenden konjunkturellen Wunderkerze im Januar, die im Februar bereits deutlich heruntergebrannt daherkam, ist inzwischen wieder ein deutlich sichtbarer Abwärtszinken im neuen KID geworden. Damit haben sich auch für Aktien- und Rentenmärkte erneut die Präferenzen leicht verschoben, dazu unten mehr. Für die deutsche Konjunktur, deren Erregungspendel ohnehin nur noch im Senioren-Schongang schlägt, ergibt sich ohnehin nur eine gefühlte Wassertemperatur von mehr oder weniger lauwarm. Sie hat jetzt wieder etwas Richtung laukühl abgedreht. In der Summe steht der KID fast genau dort, wo er vor 12 Monaten auch schon stand. Wir arbeiten und reformieren fleissig und treten dabei auf der Stelle (sinkende Realeinkommen, rückläufiges Volksvermögen, steigende Verschuldung).

Und kein Aufschwung in Sicht, es sei denn man betrachtet den weiter vorauslaufenden KID-Oszillator, der schon länger die aktuellen heißkalten Wechselduschen als Konjunkturschwankungen für das erste Halbjahr 2005 ankündigte und aktuell gegen die vorherrschende Stimmung vorsichtig ein etwas positiveres Bild für die zweite Jahreshälfte anzudeuten beginnt. Aber auch das ist noch nicht mehr als ein sehr zartes Pflänzchen, dazu im rauhen Wind. Der momentane Vergleich von KID zu harten KID zeigt (ohne Grafik) in einem Satz, daß sich die reale Lage (harte Daten) etwas besser darstellt als die Stimmung. Beide sind jedoch wie der KID in der Tendenz abwärts gerichtet.

Schwächere Daten mit wenig Lichtblicken

Die Konjunkturdaten der letzten 3-4 Wochen schwächten sich insgesamt weiter leicht ab. Mehr oder weniger rückläufig bzw. stagnierend IFO-Index, Einkaufmanagerindex D und Euroland, EU-Industrievertrauen (Verbraucher stagnierend), US-Einkaufsmanagerindex, Einzelhandelsumsatz D, US-Verbrauchervertrauen und US-Einzelhandelsumsatz. Marginal verbessert zeigte sich das GfK-Konsumklima. Die deutsche Produktion spiegelte den zuvor verbesserten Auftragseingang wieder, dessen neueste Zahlen zwar rückläufig zum Vormonat, aber gut oberhalb der Erwartungen ausfielen. Der US-Arbeitsmarkt zeigte eine hohe Zahl neugeschaffener Stellen, jedoch auch eine Zunahme bei Massenentlassungen und aufgrund wachsender Zahl von Erwerbsfähigen in der Bevölkerung trotzdem einen Anstieg der Arbeitslosenrate auf 5.4 nach 5.2 %.

Das statistische Bundesamt gab das Wachstum unseres Staatsdefizits 2004 mit neuberechnet +3.7 % an, reichlich oberhalb der Maastricht-Grenze. Ausserdem wird Deutschland auch 2005 wieder Wachstums-Schlußlicht in Europa bleiben und es sind erneut massive Steuerausfälle zu erwarten. Die in der Politik hartnäckig geäußerte Hoffnung auf den rettenden Aufschwung, ebenso die (alle Jahre wieder) für das jeweils aber erst nächste Jahr beschworene Belebung von Konsum und Binnenkonjuktur entbehren bislang jeder Grundlage.

Die Prognosen vieler Institute für 2005 wurden inzwischen teils sehr kräftig, vielleicht sogar zu kräftig nach unten korrigiert. Stimmung und Prognosen dürften in den nächsten Monaten fleissig im Rhythmus der Wechselduschen weiterschwanken.

Kampf gegen die Wirklichkeit

Alles beherrschendes Thema waren auch Februar/März wieder die Arbeitslosenzahlen.
4 Millionen nach neuer ILO-Zählung, 5.2 Millionen nach der neuen veränderten BA-Zählweise und incl. der in ABM-, Fortbildungs u.a. Maßnahmen befindlichen oder nur minimal Erwerbstätigen ca. 6.8 Millionen Arbeitssuchende. Dazu in den neuen Ländern rund jeder fünfte Erwerbsfähige ohne Arbeit. Egal wie man zählt, das Problem bleibt. Und wächst.

Es nun zur Chefsache erklären ist pure Augenwischerei. Denn hier hat Minister Clement durchaus Recht, das Problem selbst ist überhaupt nicht neu. Und selbsterklärte Chefsache bereits seit dem Amtsantritt vor über sechseinhalb Jahren. Es ist nur zum Jahreswechsel in den Vordergrund des (Medien-)Bewußtseins gerückt, als mit 5 Millionen plötzlich eine offensichtliche Schmerzgrenze überschritten wurde. Damit erhielt das ganze schlagartig Gewicht bei der öffentlichen Bewertung der Parteien, Politiker und ihrer Leistungen.

Dementsprechend wird nun lautstark auf die Blechtrommel gehauen, der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit soll verschärft werden, es werden "neue Pakte" und Bündnisse gefordert, Gipfeltreffen anberaumt, um die artgerechte Form der Kommunikation zwischen Regierung und Opposition gestritten, und es werden nicht zuletzt von allen möglichen Seiten staatliche Maßnahmen und Konjunkturprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft gefordert. Selbst das Thema Mehrwertsteuer-Erhöhung geistert bereits wieder herum. Selbstverständlich taucht auch der Luxusrentner, ehemalige Kurzzeitfinanzminister und Saar-Schuldenkönig Oskar Lafontaine aus der Versenkung auf und verlangt, die "gesamte derzeitige Politik komplett zu ersetzen" (am besten wohl gegen ihn selbst im Austausch).

Aktionismus in Handlungsunfähigkeit

Die ganze plötzlich hektische Betriebssamkeit hat natürlich primär damit zu tun, das es kurz- und längerfristig dabei um NRW-Wahl, Stimmen und zukünftige Macht geht. Aktionismus ist da Pflicht. Hintenrunter fällt hingegen die reale Ohnmacht des Staates. Politik war und ist grundsätzlich garnicht wirklich imstande, irgendeinen "Kampf gegen Arbeitslosigkeit" erfolgreich zu führen. Denn Arbeitsplätze schafft vorrangig die Wirtschaft, und die kämpft bekanntlich seit langem, speziell im Mittelstand teils nur ums Überleben, und gegen starre Strukturen, überregulierte teilweise kreuzundquersubventionierte Märkte, unflexibel veraltete oder ganz ungeklärte Gesetzeslageb, sinnlosen Bürokratieaufwand, im Vergleich erdrückend hohe Lohnneben- bzw. Lohnstückkosten, krass angestiegene Energiepreise, dynamische Konkurrenz aus Billiglohnländern, oft hohe Schulden aufgrund eigenen Mißmanagements im letzten Boom, ausserdem gegen die unvermeidlichen Folgen der Globalisierung und damit drastisch veränderte Rahmenbedingungen auf den Welt- und auch den erweiterten europäischen Märkten. Also eigentlich nur gegen das, was die Politik jahrelang versäumt hat.

Politiker können weder Arbeitsplätze erkämpfen noch fehlende bekämpfen, sondern allenfalls gute oder schlechte, realen Verhältnissen angepasste oder stattdessen kontraproduktiv schädliche Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Gesellschaft schaffen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Plus ggf. vorhandene zyklische Gegebenheiten der Weltkonjunktur intelligent für das Timing geplanter Reformen nutzen. Hier hat die Politik, unabhängig von Parteibuch oder Ideologie kläglich versagt, sonst wäre das Problem nicht über Jahrzehnte angewachsen. In der neuen hochverschuldeten sozialen Marktwirtschaft ist für wirkliche und eigentliche soziale Aufgaben (Familie, Kinder, Bildung, Krankheit oder Alter) schon längst nicht mehr genug Geld vorhanden. Die Kosten der hohen Arbeitslosigkeit verbunden mit direkt daraus resultierend verminderten Einnahmen bei Steuern und Sozialabgaben verschlingen einen wachsenden Großteil des Staatshaushalts. Der aktive "Kampf gegen die Arbeitslosigkeit" gleicht dabei dem Verhalten eines Tieres, das sich in einer (Schulden-)Schlinge verfangen hat. Je mehr es aktiv dagegen "kämpft" und sich dabei (im wahrsten Sinn des Wortes) immer noch weiter "verausgabt", desto schneller und enger zieht sich die (finanzielle) Schlinge zusammen.

Folgenschwere Entscheidungen, ...

Der Staat ist, jenseits aller markigen K(r)ampfparolen, mit der öffentlichen Verschuldung imgrunde praktisch real handlungsunfähig, was sinnvolle wirtschaftliche Fördermaßnahmen angeht. Es macht keinerlei Sinn, vornherum z.B. irgendwie den Binnenkonsum fördern zu wollen und das dafür nötige Kapital hintenrum über eine Mehrwertsteuererhöhung beim Bürger direkt wieder einzusammeln. Wer kein Geld mehr und nur Schulden hat, kann schon schlecht investieren, noch weniger aber großzügig fördern.

Dennoch ist die Versuchung für alle Fraktionen groß, sich jetzt politisch als aktive Macher und schnelle Retter zu profilieren. Und über den populären Wunsch nach staatlichen finanziellen Fördermaßnahmen die Schlinge namens Nettoneuverschuldung noch ein Stück weiter zuzuziehen, um Sympathien und ein paar kurzfristige Erfolgs-Effekte zu erhaschen. Bereits in den letzten Jahren lautete die offizielle Begründung zur Nettoneuverschuldung stets "wirtschaftliche Ausnahmesituation". Mitten in einem kräftigen Weltwirtschaftsboom.

Wenn der Staat jetzt zusätzlich hohe finanzielle Lasten für fragwürdige und umstrittene Konjunkturförderprogramme aufnimmt, gleicht das dem Versuch, das Problem mit nicht vorhandenem Geld oberflächlich "wegkaufen" zu wollen. Zwangsläufige Folgekonsequenz wäre aber die umgehend direkte Auflösung des vorhandenen europäischen Stabilitätspakts, bzw. seine verkappte innere Aushöhlung mit entsprechend äußerlich verbaler Kaschierung ("wachstumsorientierte Reform" der Maastricht-Kriterien). Dies kann unabsehbare und weitreichende Folgen für die gesamte zukünftige europäische Entwicklung haben. Einschließlich der Märkte. Ob dies die NRW-Wahl wert ist - aber wie schon Heide Simonis trefflich bekannte: "Was wird denn sonst aus mir ?"

... natürliche Ressourcen in Wirtschaft und Gesellschaft ...

Ein Strohfeuer wird die Wähler kaum beeindrucken, der "große Wurf auf Pump" bedeutet aber wiederum nochmehr Staat und noch mehr Schulden, statt weniger. Das Tier in der Falle greift im äußersten Notfall zu drastischen aber lebenserhaltenden Maßnahmen. Es gibt erschöpft den sinnlosen Kampf auf und beißt sich stattdessen eventuell eins der Gliedmaßen ab. Um handlungsreduziert und verletzt, aber dennoch schließlich wieder in die Freiheit zu entkommen. Unblutig auf den Staat übertragen hieße dies schlicht weniger "Staatskeingeldkapitalismus", weniger Nettoneuverschuldung und dafür mehr Vertrauen in die natürlichen Selbstheilungskräfte von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Alternative hiesse statt finanziellem Aktionismus endlich die (quasi sich passiv zurückziehende) Demontage aller das Wachstum hemmenden Strukturen durch tiefgreifende Reformen. Die Krankheit kurieren, statt nur am Symptom herumdoktern. Arbeitslosigkeit kann man nicht bekämpfen, Wachstum läßt sich auch in der Natur nicht herbeizwingen. In jahreszeitlicher Zyklik geschieht Wachstum quasi von selbst, sofern man nur günstige Rahmenbedingungen im halbwegs rechten Moment zuläßt. Arbeitsplätze kann man nicht erkämpfen, sie können allein aus einer funktionierenden gesunden Wirtschaft erwachsen.

In den 60ern und 70ern hat sich die "Allmacht" der Politiker und Bürokraten mittels der sog. "Flurbereinigung" auch an der Natur versucht, Flüsse begradigt ausbetoniert, Tümpel und Feuchtbiotope zugeschüttet, Flächen versiegelt und "unnützen Wildwuchs" in der Landschaft zugunsten von Monokulturen beseitigt. Und erbärmlich falschgelegen, schon nach wenigen Jahren musste nach kräftigen Schäden mit enormem Kostenaufwand das meiste rückgängig gemacht werden (die sog. "Renaturierung"), Weil die politisch gestaltete und bürokratisch verwaltete Natur einfach nicht so funktionieren wollte wie es "der Plan" vorsah. In der "Landschaftgestaltung" hat sich die daraus gewonnene Erkenntnis inzwischen durchgesetzt, in Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik wird aber weiter auf die "Allmacht des staatlichen Regulativs" gesetzt. Statt ausnahmsweise mal den Menschen, der Wirtschaft, den Märkten und den natürlichen (!) Regularien des Lebens zu vertrauen.

... und lehrreiche Erfahrungen

Über Sinn und Unsinn teurer staatlicher Konjunkturförderprogramme wird bereits heftig diskutiert. Des Pudels Kern liegt aber darin, daß wir in Wirklichkeit garkein Konjunktur- sondern vielmehr ein massives Strukturproblem gezüchtet haben. Wie sonst hätte das gewaltige und kostenlose Konjunkturförderprogramm des Weltwirtschaftsaufschwungs der letzten Jahre sonst so völlig spurlos an uns vorbeilaufen können, abgesehen von der rein auslandsinduzierten Belebung der Exportwirtschaft?

Neben zahlreichen anderen Beispielen hat auch Japan in ganz ähnlicher Situation bereits gründlich die Erfahrung gemacht, daß großangelegte Konsum- und Wachstumsförderprogramme wegen der ungelösten Strukturproblematik völlkommen wirkungslos verpufft sind. Was nach erfolgreicher Verpuffung aber mit Sicherheit bleibt sind nur noch höhere Staatsschulden, noch weniger Geld für wirklich soziale Aufgaben und der Sündenfall des europäischen Stabilitätspakts. Es werden also jetzt, so oder so, folgenschwere Weichenstellungen und Richtungsentscheidungen für die weitere Zukunft getroffen.
Good bless Europe. (Please hurry!)

Schwer nachdenklich macht z.B. der dazu passende Artikel "Finanzpolitischer Selbstmord" aus der "WELT", siehe Link:
http://www.welt.de/data/2005/03/10/608536.html?s=1
über die rettungslos galoppierende Verschuldung der neuen Bundesländer. Geld allein macht auch nicht dynamisch. Insbesondere der Vergleich zu den jungen Reformstaaten im Osten auf Seite 2 zeigt deutlich, daß üppige Subventionierung und staatliche Förderung offensichtlich keinerlei Garant für erfolgreiches Wachstum darstellt. Eher ganz im Gegenteil. Die mehr oder weniger nur auf sich selbst gestellten östlichen Volkswirtschaften haben in den letzten Jahren beindruckendes Wachstumstempo ganz aus eigenem Antrieb und eigener Motivation hingelegt, während Deutschland in Stagnation und depressiver Lethargie aufgrund seiner Reformunfähigkeit zu versinken droht. Nur fördern ohne fordern macht faul und dröge. Was der Text leider nicht erwähnt ist, daß das "süße Gift" überzogener Subventionen, staatlicher Überregulierung, lähmender Bürokratie und in direkter Folge schnell wachsendes Anspruchsdenken und nachlassende Motivation sich bereits dynamisch Richtung Osten auszubreiten beginnt. The rotten Apple spoils his Companions ...

DAX und Companions

Damit zu den Märkten, für die das englische Sprichwort letztendlich genauso gilt. Im Vergleich zu seinen "Companions", den Aktien-Indices der dynamischen Wachstumsländer, spiegelt der DAX unsere unterdurchschnittliche Konjunktur und zähe Entwicklung direkt wieder. Der VDAX von historisch sehr niedrigen 10-12 vervollständigt das Bild. Zwar haben wir letzten Montag mit 4435.- wieder ein neues Jahreshoch geschafft, der in den letzten Monaten häufig begrenzende obere Rand des mehrmonatigen Aufwärtstrends (am Montag bei 4467) wurde aber diesmal garnichtmehr erreicht. Insgesamt also positiv aber keinesfalls berauschend. Auch die Nachfrage lag noch im grünen Bereich, aber ohne neues Hoch beim letzten Top.

Vom KID-Verlauf und der Konjunktur weht dem DAX inzwischen wieder ein kühler (aber nicht kalter) Wind ins Gesicht, insbesondere nach den deutlich schwächeren Daten der letzten Wochen. Zwar steht die Aktien-Saisonalität noch dagegen auf der positiven Seite, speziell bei den überdiemaßen gut gelaufenen SmallCaps sollte man aber auch keine grossen Sprünge mehr erwarten. Hier ist einfach schon sehr viel vorweggenommen. Auf der Belastungsseite weiterhin die üblichen Verdächtigen (Ölpreis, Weltlage; wieder stärkerer Euro).

Insgesamt also eher durchwachsene Perspektive, weder Begeisterung noch ein akuter Grund zur Sorge, abgesehen von "bekannten Unbekannten", die seit langem über dem Markt schweben (ständig Möglichkeit eines größeren Terroranschlags und latente Kriegsgefahr). Trotzdem könnte in diesem Jahr die gewohnte Saisonalität durch die Weltkonjunktur etwas auf den Kopf gestellt werden, sprich Seitwärts- oder schwächere Phase in der üblichen "Hoch-Zeit" und Dividenden-Saison der ersten Jahreshälfte, dafür evtl. eine ungewohnt bessere Performance später in der zweiten Jahreshälfte, falls bis dahin nichts Schlimmes dazwischenkommt.

Bondbubblemärkte

In Bund- und US-TBond-Future lief die erwartete Korrektur planmässig, zum Kontraktwechsel kam es jedoch kurzfristig zu einem Aufwärtsschub. Eventuell haben sich hier einige kräftig "verbubbelt" und mussten im Rollover kurzzeitig Shorts eindecken. Auffällig ausserdem der aktuell verhältnismässig geringe Spread auf die folgenden zwei Forward-Kontrakte. Am ganz langen Ende und relativ schwach in Zeros und EM-Bonds ist die Futures-Korrektur zwar auch in Anleihen selbst sichtbar geworden, der von vielen erwartete und diskutierte Crash (Platzen der Bondbubble) hat aber eindeutig nicht stattgefunden.

Genau beobachtet werden sollte in den nächsten Tagen der Bereich circa 116.60 - 117.35 im Bund-F. Stabilisiert sich der Future hier oder etwas darunter, könnte eine relativ unerwartete Gegenbewegung Richtung 118.50 plus einsetzen, vor allem wenn sich die Serie schwächer werdender Konjunkturdaten verstärkt weiter fortsetzt. Der aktuelle KID-Verlauf pustet den Renten im Sinkflug momentan unterstützend etwas Luft unter die Flügel. In dieselbe Richtung bläst dazu der Eurokurs.

Wohlgemerkt, im Verlauf des Jahres 2005 kann es durchaus noch zu einem stärkeren Einbruch resp. "geordnetem Rückzug" der Bondmärkte kommen, falls die Weltkonjunktur wieder verschärfter Fahrt aufnehmen sollte. Der weitere Verlauf im KID-Oszillator könnte hier möglicherweise ein Signalgeber werden. Bis in den April hinein bestehen jedoch durchaus Chancen für eine Stabilisierung und evtl. unerwartete Zwischenerholung bei den Renten durch kalte Strahlen im lauen Duschwasser.

Devisenmärkte und Gold

Nach dem Scheitern der parallelen Ausbruchsversuche von Dollar, Pfund und Yen aus ihren langfristigen Abwärtstrends gewann der Euro auf breiter Front wieder Boden. Leider zunächst schwer einzuschätzen, ob hier nur Rücksetzer vorlagen oder sich die Aufwärtsbewegung weiter fortsetzen würde. Zudem reagierte das Pfund relativ verzögert und setzte erst neu zu einem Ausbruchsversuch gegen Euro an. Eine Situation, die (ausnahmsweise mal) ohne "technische Hintergedanken" und mutig drauflos einfacher zu handeln gewesen wäre.

Am Freitag hat Euro/Dollar nun ein Niveau erreicht, auf dem es wieder spannend wird. Vor allem im Bereich 1.3450 bis 1.3525, ausserdem drüber um gut 1.3600 bis zu den alten Tops liegen zwei kräftige Widerstandszonen, an denen der Euro mit Sicherheit erstmal seine Mühe haben wird. Leider auch schwer abzuschätzen, ob auf Sicht von 1-3 Monaten die alten Tops noch Bestand haben. Der mittelfristige Euro-Aufwärtstrend hat gehalten. Ob nun Gipfelbildung oder weitere Trendfortsetzung mit neuen Tops folgt, wird einmal mehr stark von der Politik abhängen.

Gelingen die (in erster Linie deutsch-französischen) Versuche, den europäischen Stabilitätspakt nachhaltig aufzuweichen (kreativ wortgeschöpft "wachstumsorientierte Reform" Richtung wachsender Instabilität durch mehr "erlaubte" Staatsverschuldung sowie verschleiernde "Ausnahme- und Sonderregelungen" plus ausgekoppelter "Neben-Etats"), wird das ausser dem besagten Pakt mit Sicherheit auf Dauer auch den Euro selbst aufweichen. So ganz doof ist der Rest der Welt nämlich nicht und beobachtet die Entwicklung genau.
Gleiches ergab überraschend eine EU-Umfrage, die als einen Hauptgrund für die schwache Konsumneigung im Euroland hohes Mißtrauen der Bürger in die langfristige Stabilität der eigenen Währung Euro ermittelte. Die Bürger sind offensichtlich weniger dumm als es die Politik gern glauben möchte. Man spart fleissig und trau schau wem.

Hier gilt also längerfristig ähnliches wie beim Bondmarkt: unter den gegebenen Verhältnissen ist Richtung zweiter Jahreshälfte weiter mit einem möglicherweise deutlich stärkeren Dollar zu rechnen. Falls nichts "Externes" dazwischenkommt. Oder die Politik noch von plötzlicher Erleuchtung heimgesucht wird. Die EZB zumindest sieht sich als Hüter der Stabilität und lehnt die Aufweichung des Stabilitätspakts nach Politikerwünschen ab.

Gold hat seit erfolgreichem Test der 200-Tage-Linie und des unteren Rands des parallel verlaufenden Trendkanals rund 35 Dollar zugelegt. In Wechselwirkung zum Dollar hat es Freitag den Widerstand um 445.- erreicht und kurz überschritten. Hier gilt invers das zum Euro/Dollar gesagte, zusätzliche Eigendynamik könnte nur durch verunsichernde externe Geschehnisse entstehen.



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