Elliott-Wellen Analysen
von André Tiedje, Charttechnischer Analyst
DOW Jones - Was erwartet uns im neuen Börsenjahr 2010?
In der verkürzten Handelswoche wurde grundsätzlich nicht viel Bewegung im DOW Jones Index erwartet. Er geht mit einem Punktestand bei 10.428,05 Punkten aus dem Handel und verändert sich im Bezug zur Vorwoche um 91,60 Punkte.
Dow Jones: 10428,50Punkte / ISIN: XC0009694206
In den letzten drei Handelswochen kommt es zumindest intraday zu kleinen Trendphasen. Das ist wellentechnisch auch nicht weiter verwunderlich, schließlich soll eine Welle c ausgebildet werden, die in ihrer Unterstruktur die Impulswellen 1-3-5 enthält. Hier sind also zwischenzeitliche neue Höchststände im DOW Jones Index zwangsläufig nötig gewesen. Ein sogenanntes "bereinigendes" Hoch. Ausgehend von diesem erforderlichen Kurshoch besitzt der DOW Jones Index dann eine neue Chance impulsiv zu fallen, wobei es fraglich ist, ob man das dann als Chance bezeichnen kann.
Für den flüchtigen Leser ist es jetzt unverständlich, dass nach einer Crashansage zu einem nochmaligen Hoch kommen muss. Aus wellentechnischer Sicht ist es aber erforderlich. Wenn der DOW Jones Index ausgehend von einem Hoch NICHT impulsiv fällt, dann MUSS zwangsläufig ein neues Verlaufshoch im Index entstehen. Dann MUSS es zwangsläufig zu einem bereinigenden Hoch kommen. Zu einem Hoch, welches das Seitwärtsgezappel überwindet. Von diesem neuen Hochpunkt kann es dann eine neue Chance auf einen nachhaltigen Wendepunkt geben. Bitte lesen Sie diesen Abschnitt erneut durch. Genau dann verstehen Sie, warum ich aus der ersten Crashansage im Juni direkt im Juli eine Rallyansage folgen ließ, die die vorherige Crashansage negierte. Genau dann verstehen Sie, warum die Crashansage im August, die exakt im Hochpunkt, wie auch die zuvor, analysiert wurde, nach einigen Tagen direkt hinfällig war.
Was bedeutet das für das Trading?
Das bedeutet, dass man antizyklisch short geht und den Trade sogar direkt in den Gewinn absichern konnte, weil es im Anschluss direkt zu fallenden Kursen kam. Genau jetzt verstehen Sie, warum eine solche Aussage sehr schnell relativiert wird, auch wenn sie mich im Chart noch über viele Wochen verfolgen wird. Eine Aussage, dass die Crashansagen nicht funktionierten ist richtig. Das ist aber bei weitem KEIN Grund diese hervorragende Analysemethode zu kritisieren. Mir ist bewusst, dass es nur ein Kleinteil negativ sieht, ich möchte es aber dennoch ansprechen. Ich möchte, dass der Sinn der dahinter steht verstanden wird.
Des weiteren möchte ich einen ähnlichen Vergleich mit Boris Becker bringen, die Abonnenten des US Index Traders können diesen Absatz überspringen, ich habe dieses Beispiel schon oft erwähnt. Sobald Boris Becker angenommen den 2. Satz verloren hatte, regte er sich noch im 4. Satz über den verlorenen 2. Satz auf. Wissen Sie was da geschah? Richtig, er verlor dann das ganze Spiel. Erst als er die Emotionen im Griff hatte und den verlorenen Satz respektierte konnte er die Spiele eindeutig für sich entscheiden. Es macht selbstverständlich Sinn nach dem Spiel die Fehler zu analysieren, das macht jeder Fußballtrainer auch nicht anders. Die Spiele werden später auch ausgewertet und die Fehler besprochen und beseitigt. Einem Trader geht es nicht anders. Verluste und auch Fehlanalysen müssen akzeptiert werden. Sie gehören ganz einfach dazu, sie sind sogar nützlich, wenn man daraus lernt. Wozu gibt es denn sonst Stopps? Sollte man wirklich der Meinung sein, dass es eine 100%ige Analysemethode gibt, dann bräuchte man keine Stopps. Sie wissen selber genau wie weit dieses von der Realität entfernt ist. Es geht hier um das Abgleichen von Wahrscheinlichkeiten. Ich kenne dabei keine Analysemethode, die bessere Ergebnisse liefert. Sollte es eine geben, dann informieren Sie mich bitte per Mail darüber. Ich bin hochinteressiert.
Mit diesen Sätzen möchte ich/wir das Börsenjahr 2009 abschließen. Ein kleiner Rückblick der gemachten Rally- und Crashansagen, ein kurzes Auswerten der Analysen.
Konzentrieren wir uns ab sofort auf das neue Börsenjahr 2010. Es macht nämlich keinen Sinn mehr über die exakten Rallyansagen zu diskutieren, es bringt uns jetzt absolut nichts mehr. Hätte, wenn und aber bringt einen nicht weiter.
Wissen Sie was mir viel mehr am Herzen liegt? Es gibt aus wellentechnischer Sicht zwei grundverschiedene Möglichkeiten. Wissen Sie was das bedeutet? Das bedeutet, dass ich in diesem Jahr entweder analytisch voll daneben liege oder einen Volltreffer lande. Wissen Sie was? Ich wünschte mir sogar ich würde voll daneben liegen und die Börse würde so weiter steigen, wie sie es bereits im Jahr 2009 unter Beweis stellte.
Ich komme leider zu einem komplett anderen Ergebnis. Ich rechne in diesem Jahr mit deutlichen Verlusten an den Börsen. Ja, man könnte sagen mit gnadenlosen Verlusten, uns steht die gnadenlose Welle bevor. Sie hat noch eine gewaltigere Kraft als die vernichtende Welle. Können Sie sich noch an die vernichtende Welle Anfang 2009 erinnern. Speziell im DOW Jones Index hat sie noch mal erheblichen Schaden angerichtet, obwohl der Index bis dahin schon genug verloren hatte. Bitte sehen Sie diese Aussage erneut mit einem gewissen Abstand. Es ist zunächst lediglich eine Einschätzung, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich sehe die Wahrscheinlichkeit auf fallende Kurse im Jahr 2010 bei 70 %. Alle Bullen können also beruhigt sein, es existiert zumindest eine 30 %ige Wahrscheinlichkeit auf steigende Kurse. Es kann aber NIE verkehrt sein, wenn man informiert ist, dass sich der Aktienmarkt in 2010 mehr als halbieren kann. Sie können dann am Jahresende sagen, der Waver lag ja total daneben. Ich möchte Ihnen aber nur mitteilen, dass es sehr wichtig sein kann, dass man sich intensiv über die Stopps der eigenen Positionen Gedanken macht.
Aus wellentechnischer Sicht lässt sich die Kurserholung seit März 2009 fertig zählen. Es hat sich ein Dreifach ZigZag w-x-y-xx-z entwickelt. Diese Wellensequenz schließt einen Wellengrad höher die Welle B/2 ab. Alternativ wäre es noch möglich, dass sich erst die Welle a der Welle B/2 ausbildet. Das alternative Szenario hätte auf den Verlauf der nächsten Handelswochen allerdings keinen Einfluss.
Die MoB (Make or Break) Marke liegt bei 10235,00 Punkten. Sollte diese Marke nach unten gebrochen werden, dann liegt eine Bestätigung vor, dass die jetzt erwartete Welle c bereits beendet wäre. Sollte diese Marke also gebrochen werden, dann liegen keine wellentechnischen Argumente mehr vor, dass die oberen Kursziele bei 10710,00 Punkten,11004,00 Punkten oder sogar 11245,00 Punkte noch erreicht werden.
Neue Höchststände sind speziell im Januar nicht Tabu, aber auch nicht mehr dringend erforderlich. Bei einem Bruch der 10235,00er Marke besteht die Gefahr, dass der DOW Jones Index bis in den Bereich 9400,00 Punkte abtaucht.
Ich wünsche Ihnen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2010 und geraten Sie nicht in Schieflage, das führt zwangsläufig zu Fehlentscheidungen.
André Tiedje - Technischer Analyst und Trader bei GodmodeTrader.de
Kursverlauf seit Januar 2009 (log. Kerzenchartdarstellung / 1 Kerze = 1 Tag)
